Das ist gar nicht so schwer. Zunächst muss man weiblichen Geschlechts und unverheiratet sein. Mindestens 18 Jahre muss man sein. Wohnen sollte man natürlich in Rheinhessen. Wichtigstes Kriterium ist, dass man sich für Rheinhessen und seine Weine interessiert und sich auch dafür stark machen will. Winzertochter zu sein ist nicht unbedingt notwendig, auch »Quereinsteigerinnen« waren schon öfter im Amt. Sollte man gewählt werden, ist natürlich jede Menge Zeit zum Repräsentieren am Wochenende und auch an Werktagen notwendig. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber mit der Ausübung dieses Amtes einverstanden sein muss. Insbesondere dann, wenn man zur Weinkönigin gewählt wurde, kann man schon einmal mit bis zu 150 Einsätzen im Jahr rechnen.
In punkto Fachwissen kann man sich einiges anlesen. Die wichtigsten vinologischen Stationen in Rheinhessen sollte man kennen. Aber dazu gibt es im Vorfeld einige Schulungen vom Rhetorikseminar, über eine Rheinhessentour zu den Themen des Wahltages, einem Sensorikseminar zur Schulung von Nase, Zunge und Gaumen beim Probieren von Wein, einer Typ- und Stilberatung für Tipps zum richtigen Outfit und immer wieder Gespräche mit Mitarbeitern des Rheinhessenwein e.V., um mit den neusten Fakten aus Deutschlands größtem Weinbaugebiet versorgt zu werden.
Die Wahl selbst findet im ersten Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. In einer Fachbefragung stehen die Bewerberinnen nachmittags vor ca. 30 Juroren und werden jeweils einzeln ca. 25 Minuten zu rheinhessischen Weinthemen befragt. Hier kommt es aber nicht nur darauf an, alle Fragen richtig beantworten zu können, sondern auch darauf, wie schlagfertig man sich aus der Affäre zieht, wenn man sich einmal nicht sicher ist. Noch mehr Charme kann man in der Abendveranstaltung vor 300 Besuchern zeigen. Hier gilt es, sich über das Lampenfieber hinwegzusetzen und sich locker mit dem Moderator des Abends vor großem Publikum zu unterhalten. Nach etwa zwei Stunden Abendprogramm kommt der große Moment der eigentlichen Wahl. Nach der Bekanntgabe der neuen Weinkönigin und der -prinzessinen stürmt dann auf den neuen Weinadel ein Blitzlichtgewitter und eine riesige Menschentraube von Gratulanten ein. Richtig realisieren kann man die Wahl in dieses Amt, so hört man von den meisten Weinmajestätinnen, erst einige Tage später.
Eine Bezahlung erhalten die rheinhessischen Weinmajestäten nicht. Für jeden Auftritt gibt es eine kleine Aufwandsentschädigung zusätzlich zu den Auslagen für Zugfahrt, Übernachtung und Verpflegung. Zu Beginn der Amtszeit erhalten die jungen Damen einen Kleiderkostenzuschuss, um sich mit der passenden Garderobe einzudecken, wobei hier das Dirndl schon lange »out« ist. Heute trägt man je nach Anlass die klassische Business-Garderobe, das »kleine Schwarze« oder auch ein elegantes Abendkleid.
Nach einem Jahr Amtszeit besteht für die Königin jedes Weinanbaugebietes die Möglichkeit, sich für das Amt der Deutschen Weinkönigin zu bewerben. Dieses Amt ist dann noch etwas rühmlicher, da man für den deutschen Wein durch die ganze Welt reist und noch mehr prominenten Zeitgenossen gegenüber steht.
Im Laufe der Amtszeit spürt man bei nahezu allen jungen Damen eine deutliche Veränderung im persönlichen Auftreten. Sie werden offener, erzählen freier und gehen viel lockerer auf ihre Mitmenschen zu. Viele haben sich so in das Thema Wein hineingelebt, dass sie sich auch beruflich in diese Richtung entwickeln, sei es jetzt als Weingutsinhaberin, als PR-Beraterin, als Showmoderatorin oder gar als Bundestagsabgeordnete.
© 2009 Rheinhessenwein e.V.